Der Regensburger Spitalkeller: Ein Ort mit Historie, Bierkultur und Geselligkeit
Der Spitalkeller ist eine historische Sommerkelleranlage an den Winzerer Höhen in Regensburg. Die Anlage umfasst ein Wirtshaus, ein Sommerhaus, eine Scheune, die Fasshalle sowie ein beeindruckendes 73 Meter langes Tonnengewölbe, das tief in den Fels geschlagen wurde. Seit Jahrhunderten ist dieser Ort eng mit der Regensburger Bierkultur und Geselligkeit verbunden – vom einstigen Weinberg über den Sommerkeller bis zum heutigen Traditionswirtshaus.
Vom mittelalterlichen Weinberg bis heute – über 600 Jahre Geschichte
Die Tradition der Steinweger Sommerkeller lässt sich bis in das Jahr 1359 zurückverfolgen. Den ersten Hinweis liefert eine Urkunde vom 28. Januar 1359: Darin einigt sich Jungfrau Margret Perchtold mit ihrem Vetter über den Nachlass ihres Vaters. Zum Nachlass gehört unter anderem „das Haus auf dem Keller am Stainweg“.
Um welchen Keller es sich dabei genau handelte, bleibt offen – dies lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen.
In den Regesta sive Rerum Boicarum Autographa (Band 12) wird das ehemalige Grundstück des Spitalkellers erstmals als Weinberg erwähnt. Eine Urkunde belegt, dass der Regensburger Patrizier Hanns auf Tunau, Propst von Regensburg, seiner Frau mehrere Besitztümer vermachte – darunter einen Weinberg am Steinweg, der als „Castner“ bezeichnet wurde.
Dieser sogenannte „Kastnerweinberg“ befand sich auf dem Gelände des späteren Spitalkellers.
Quelle: Regesta sive Rerum Boicarum Autographa, Vol. 12.
Der Weinberg befindet sich nun im Eigentum des Reichsstifts Obermünster.
Quelle: StAR, HVOR, 89f.
Hans Georg Bahre fertigt 1626 detaillierte Federzeichnungen vom Nordufer der Donau an. Die Darstellung reicht von Pfaffenstein bis Steinweg, bis zum späteren Schildkeller. Mit großer Genauigkeit und vielen Details sind unter anderem sechs kleine Winzerhäuschen in den Weinbergen von Pfaffenstein dokumentiert.
Auch der Bereich des späteren Spitalkellers bzw. des damaligen Castner Weinbergs ist auf der Zeichnung zu sehen – links neben dem Schildkeller. Damit ist Bahres Plan eine der wenigen bildlichen Quellen zur Lage und Bauweise der Anlage vor dem Dreißigjährigen Krieg.
Bahre erhielt den Auftrag, Regensburg ohne die Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges festzuhalten – sein Plan dokumentiert daher eine Vorkriegs-Ansicht der Stadt und ihres Umlands. Die Originale werden heute im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg sowie im Historischen Museum der Stadt Regensburg aufbewahrt.
Joseph Rosenmayer beginnt mit der Errichtung der Sommerkelleranlage. Hiermit lässt sich annehmen, dass sich bis 1758 der Wandel von einem reinen Weinberg hin zu einem Sommerkeller entwickelt hat, welcher im Besitz eines Brauers aus Stadtamhof ist.
Zur Zeit, als Rosenmayer um 1758 die Sommerkelleranlage errichtete, gab es in der Gemeinde Steinweg bereits 3 Brauereien und insgesamt 62 Anwesen; in Pfaffenstein 18 Anwesen. Urkundlich belegt sind zu dieser Zeit 9 Sommerkeller. Ihre einzige Funktion war die Einlagerung des Sommerbiers (Märzenbier).
Quelle: BayHStA, Kurbayern Hofkammer, Hofanlagsbuchhaltung Bände 507 (1760), S. 209.
Joseph Rosenmayer, Brauer in Stadtamhof, vererbte seinen Nachkommen in Steinweg das Gelände des Spitalkellers, einschließlich eines „ganz neu erbauten Sommerkellers“. Er verstirbt im Alter von nur 30 Jahren.
„Joseph Rosenmeyer, gewester bürgerlicher Bierpreu zu Statt am Hof, hinterlassene Erben besizen einen aggermäßigen Weinberg zu 137 Pifang – 7½ Juchart, sambt den dabey sich befindenden Stadl, Schupfen und ganz neu erbauten Sommer Keller; reicht hier von zu jeder Steuer 1 fl. 58 Kr. (Erbrecht zum Reichsstift Obermünster in Regensburg).“
— Hofanlagsbuchhaltung 1760
Der genannte „aggermäßige Weinberg" ist der historische Castner Weinberg – derselbe, der bereits 1413 in den Regesta sive Rerum Boicarum Autographa als Besitz des Regensburger Patriziers Hanns auf Tunau erstmals urkundlich erwähnt wurde. Mit ca. 7½ Juchart – im bayerischen Tagwerk-Maß rund 25.500 m² bzw. 2,5 Hektar – gehörte er zu den relativ großen Grundstücken in Steinweg, vergleichbar mit dem benachbarten Schildkeller. Das Erbrecht lag beim Reichsstift Obermünster in Regensburg.
Die Familie Rosenmayer taucht erstmals 1749 in Steinweg auf, als Joseph Rosenmayer dort heiratete. Sein Vater, Georg Rosenmayer, wird als Villicus – eine Art Gutsverwalter – bezeichnet.
Quellen: BZAR, Kirchenbuch Dompfarrei St. Ulrich, Taufen, Trauungen, Beerdigungen 1740–1756, S. 229 · ebd., S. 261.
Mit der Übernahme durch Matthias Rosenmayer im Jahr 1772 beginnt eine geschlossene Besitzgeschichte des späteren Spitalkellers.
Joseph Rosenmayers Erben waren vermutlich seine Kinder Maria Anna Rosenmayer (*1751) und Matthias Josephus Rosenmayer (*1752). Die beiden weiteren Geschwister waren bereits 1760 verstorben. Zum Zeitpunkt des Erbfalls waren die Erben erst 8 bzw. 7 Jahre alt, sodass das Erbe vermutlich bis zu ihrer Volljährigkeit verwaltet wurde.
Da Matthias Rosenmayer beim Tod seines Vaters noch minderjährig war, übernahm er erst 1772 mit 19 Jahren den Gesamtbesitz – einschließlich der Brauerei in Stadtamhof und des Sommerkellers in Steinweg.
Quellen: BZAR, Kirchenbuch Dompfarrei St. Ulrich, Taufen, Trauungen, Beerdigungen 1740–1756, S. 261, 292, 315, 340 · StAAm, Häuser- und Rustikalkataster Regensburg I 146, 1808.
Regensburg wird 1809 in die Napoleonischen Kriege hineingezogen. Die französischen Truppen treiben Teile der österreichischen Armee durch Stadtamhof bis auf den Dreifaltigkeitsberg. Vom Berg aus wird Stadtamhof anschließend von den Österreichern mit Kartaunen beschossen – dabei entsteht auch ein Brand im Brauhaus und in der Malzmühle der Spitalbrauerei.
Auch Matthias Rosenmayer war von den Auswirkungen der Schlacht um Regensburg 1809 betroffen. Wie viele andere Stadtamhofer Bürger verlor er große Teile seines Besitzes und wurde später wahrscheinlich durch das Königreich Bayern entschädigt. In den offiziellen Dokumenten zur Entschädigung wird er jedoch „Joseph“ statt Matthias genannt.
Viele der betroffenen Brauer konnten sich von diesen Verlusten nicht mehr erholen und mussten ihren verbliebenen Besitz versteigern. Ob dies auch auf Matthias Rosenmayer zutraf, ist unklar – allerdings war er nach 1809 weiterhin als Bierbrauer tätig und wird im Adressbuch von 1812 noch als Wirt geführt.
Dass Rosenmayer seinen Besitz erhalten konnte, lässt sich möglicherweise daran erkennen, dass er beim späteren Verkauf des Anwesens noch 25.000 Gulden erhielt und sich besondere Rechte sicherte.
Quellen: Die Napoleonische Kriegsentschädigung für Regensburg, Regensburg 1952 · Königlich Bayerisches Regierungsblatt vom 4. September 1816, S. 561–562 · Adreß-Kalender der Königlich-Baierischen Kreis-Hauptstadt Regensburg für das Schaltjahr 1812, S. 112 · StAAm, Briefprotokolle Regensburg 8, 1817/1818.
Mit dem Übergang vom Fürstentum des Fürstprimas Karl Theodor von Dalberg an das Königreich Bayern endet die jahrhundertelange Stellung Regensburgs als Reichsstadt. Stadtamhof und Steinweg waren bereits seit dem Mittelalter unter Wittelsbacher Herrschaft – ab 1810 gehören nun auch Regensburg selbst und damit die gesamte Region zum selben bayerischen Staat.
Im Jahr 1818 verkauft Matthias Rosenmayer im Alter von 66 Jahren seinen Besitz an Vinzenz Münsterer, den Sohn eines Bierbrauers aus Siegenburg – für 25.000 Gulden.
Zwischen Rosenmayer und Münsterer bestand offenbar bereits vor dem Verkauf eine Verbindung: Am 14. Mai 1818 trat Rosenmayer als Trauzeuge bei der Hochzeit von Vinzenz Münsterer und Theresia Wolferseder auf. Dies könnte im Zusammenhang mit der geplanten Übernahme des Anwesens gestanden haben, da weder Münsterer noch seine Braut aus Regensburg stammten.
Im Kaufvertrag sicherte sich Matthias Rosenmayer ein lebenslanges Wohnrecht sowie weitere Versorgungsleistungen. Er nutzte diese Rechte noch 24 Jahre, bis er 1842 im Alter von 90 Jahren in Stadtamhof verstarb.
Über das weitere Wirken von Vinzenz Münsterer als Bierbrauer ist nichts bekannt.
Quellen: BZAR, Kirchenbuch Dompfarrei St. Ulrich, Trauungen 1783–1826, S. 372 · BZAR, Kirchenbuch Dompfarrei St. Ulrich, Beerdigungen 1816–1849, S. 521.
Vinzenz Münsterer verstirbt am 9. April 1825 im Alter von nur 33 Jahren an Nervenfieber. Sein Tod ist sowohl im Kirchenbuch der Dompfarrei St. Ulrich als auch im Regensburger Wochenblatt vom 13. April 1825 dokumentiert.
Nach dem Tod ihres ersten Mannes heiratet die Witwe Theresia Münsterer noch im selben Jahr Michael Straßer, den Sohn eines Bierbrauers aus Landshut. Mit dieser Heirat geht der Spitalkeller in den Besitz der Familie Straßer über.
Quellen: StAAm, Landgericht Regenstauf ä. O. Nr. 1458 · BZAR, Kirchenbuch Dompfarrei St. Ulrich, Beerdigungen 1816–1849, S. 133 · Regensburger Wochenblatt, 13. April 1825, S. 16.
Nur ein Jahr nach der Liberalisierung des bayerischen Gewerberechts (1825) erhalten die ersten beiden Brauer in Steinweg ihre Ausschankkonzessionen für die Sommerkeller:
Damit beginnt die Phase des ganzjährigen Wirtshausbetriebs in Steinweg. Michael Straßer wird ein Jahr später (1827) als dritter Brauer folgen.
Bisher war nur der Biergarten in Betrieb. Michael Straßer beantragt und erhält die erste Ausschankkonzession für das Wirtshaus und kann nun ganzjährig bewirtschaften. Damit ist er der dritte Brauer in Steinweg, der eine solche Konzession erhält – nach Franz Xaver Jordan und Andreas Blaimer, denen die Konzession bereits 1826 erteilt worden war. Das Anwesen wird ab dieser Zeit unter dem Namen „Straßerkeller“ bekannt – eine Bezeichnung, die bis zum Verkauf an die Spitalstiftung 1868 bestehen bleibt.
Neben den rechtlichen Voraussetzungen zur Verleihung wurde verlangt, dass die Anwesen der Sommerkeller für die Nutzung entsprechend hergerichtet bzw. umgebaut wurden. Michael Straßer reicht dafür Pläne ein, welche nicht erhalten sind. Es ist fraglich, wann sie umgesetzt wurden – vermutlich jedoch zeitnah, da die Baupläne Voraussetzung für die Erteilung der Konzession waren und darin explizit genannt werden.
Die Konzession erlaubte den Ausschank von Bier und Kaffee zum Ganterpreis – dem günstigeren Kellerpreis direkt vom Fass, ohne den sonst üblichen Wirtshausaufschlag. Damit durften die Sommerkeller nicht mehr nur die Sommermonate geöffnet haben, sondern das ganze Jahr.
Quellen: Regensburger Wochenblatt vom 13. April 1825, S. 16 · StAAm, Landgericht Regenstauf ä. O. Nr. 1458, 1827.
Im Jahr 1834 löst Michael Straßer das Grundstück in Steinweg aus dem Obereigentum des Reichsstifts Niedermünster ab und wird damit dessen alleiniger Eigentümer.
Warum das Reichsstift Niedermünster über Teile des Grundstücks Obereigentumsrechte besaß, ist unklar. Fest steht jedoch, dass die Eigentumsverhältnisse zuvor geteilt waren. Mit der Ablösung sicherte sich Straßer das uneingeschränkte Eigentum am Anwesen.
Anmerkung: Die ältere Quelle (Hofanlagsbuchhaltung 1760) nennt das Reichsstift Obermünster als Inhaber des Erbrechts. Möglicherweise liegt im Liquidationsprotokoll ein Transkriptionsfehler vor, oder die Eigentumsverhältnisse wurden zwischen 1760 und 1834 umgestaltet – eine eindeutige Klärung steht aus.
Quelle: Amt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung Regensburg, Liquidationsprotokoll Steinweg, 1836.
Michael Straßer meldet seine Konzession als ruhend an.
Quelle: StAR, ZR I, 6389.
Mitte des 19. Jahrhunderts existieren in Steinweg und Pfaffenstein neben 9 Gaststätten bereits 11 Kellerschenken. Die Gaststätten waren unter anderem:
Aus den insgesamt 22 Sommerkellern hatten sich also 11 Kellerschenken mit 8 Biergärten entwickelt. Der Spitalkeller ist der letzte aus dieser Zeit – und vielleicht die letzte voll erhaltene Sommerkelleranlage in Bayern.
Im Jahr 1856 übernimmt Max Straßer den gesamten Besitz. Anders als häufig der Fall war sein Vater Michael Straßer zu diesem Zeitpunkt nicht verstorben, sondern übergab das Anwesen freiwillig und kehrte nach Landshut zurück. Sein weiterer Lebensweg in Landshut ist bislang nicht erforscht; Sterbedatum und -ort sind unbekannt. Die wirtschaftliche Situation in Steinweg scheint zu diesem Zeitpunkt bereits angespannt.
Als in der zweiten Hälfte der 1820er Jahre die Sommerkeller in Steinweg mit Konzessionen ausgestattet werden, gibt es noch keine Konkurrenz um das Regensburger Publikum aus dem Süden der Stadt (Eisbuckl, Galgenberg). Diese entsteht jedoch innerhalb des nächsten Jahrzehnts und führt dazu, dass ein großer Teil der Regensburger Kundschaft im Süden der Stadt „auf die Keller geht“.
Zur geringeren Kundschaft kommt der Zustand hinzu, dass in Steinweg zu viele Sommerkeller – teilweise direkt nebeneinander – mit Konzessionen ausgestattet wurden. Bereits in den 1850er Jahren werden deshalb einige Sommerkeller in Steinweg aufgrund des geringen Ertrags nicht mehr betrieben.
In den Jahren nach der Übernahme treffen Max Straßer mehrere Schicksalsschläge. Er ist im Zeitraum seines Besitzes viermal verheiratet, da drei seiner Ehefrauen versterben.
Zeitungsinserate belegen, dass Max Straßer seinen Sommerkeller nicht immer selbst betreibt und ihn teilweise abgegeben haben muss – dazu passt auch die spätere Verpachtung an die Spitalbrauerei (1865). Auch ein Brand scheint ihn betroffen zu haben, wobei sich nicht feststellen lässt, wo dieser stattgefunden hat.
Quellen: StAAm, Urkataster Steinweg · StAR, ZR I, 6389 · SpAR Sitzungsprotokoll vom 25. Oktober 1866.
Im Jahr 1857 beantragt Max Straßer eine neue Ausschankkonzession, die ihm auch erteilt wird. Damit nimmt er den Betrieb des Sommerkellers wieder auf, nachdem die Konzession seines Vaters Michael Straßer im Jahr 1855 ruhend gemeldet worden war.
Quelle: StAR, ZR I, 6389.
Der Sommerkeller wird als Lagerstätte an die Brauerei des St. Katharinenspitals verpachtet.
Quelle: Regensburger Tagblatt vom 5. Juni 1861, S. 4.
Max Straßer beginnt 1867 damit, Besitzstand zu veräußern. Aufgrund von Überschuldung kommt es noch im selben Jahr zur Versteigerung des Gesamtbesitzes – bei dieser gibt Max Straßer an, schon seit einiger Zeit das Braugewerbe aufgegeben zu haben.
Quellen: SpAR, Kasten II, Fach 5, Fasc. 9 · Kurier für Niederbayern vom 2. März 1867, S. 3.
Der Gesamtbesitz wird durch die beiden Hypothekengläubiger Adolf Rosenblatt und Schülein Heydecker übernommen – beide Handelsleute aus Regensburg.
Quelle: StAAm, Urkataster Steinweg.
Heydecker lässt den Straßerkeller als „Heydeckerkeller“ neu eröffnen. Dazu stellt er einen Schenk an und beantragt selbst eine Ausschankkonzession.
Quelle: StAR, ZR I, 6389.
Schülein Heydecker verkauft den Gesamtbesitz an die St. Katharinenspitalstiftung. Weshalb er den Besitz wieder veräußert, ist nicht festzustellen – es sind jedoch weitere Käufe solcher Sommerkeller durch ihn dokumentiert.
Quelle: SpAR, Kasten I, Fach 40, Fasc. 6.
Bereits unmittelbar nach der Übernahme des Straßerkellers durch die Spitalstiftung kümmert sich der Spitalrat um die laufende Eis-Versorgung. Am 4. Februar 1869 vergibt er den Auftrag zur Eisbelegung an den Schiffsknecht Emmeram Zankeis:
„Am 4. Februar 1869 übertrug der Spitalrat dem Schiffsknecht Zankeis die Eisbelegung der vier Sommerkeller des Spitals, des Straßerkellers (Spitalkeller) mit 43, des Gendarmeriekellers (in Regensburg) mit 32, des Weißkellers in Steinweg (Nürnberger Straße 30) mit 24 und des Rabenkellers mit 5 Fuhren. Emmeram Zankeis erhielt dafür 125 Gulden."
— Rechnungsbücher des St. Katharinenspitals (lt. Dr. Dirmeier)
Aus dem Auftrag ergeben sich gleich mehrere historische Erkenntnisse:
Quellen: Rechnungsbücher des St. Katharinenspitals (lt. Dr. Dirmeier) · Brandhuber, Josef: Sommerkeller in Steinweg.
Nach der Übernahme durch die Spitalstiftung fehlt zunächst ein langfristiger Verwendungszweck. Am 15. März 1869 übergibt die Spitalverwaltung den Keller an Johann Röhrl aus Prüfening – im Hauptberuf Zimmerergeselle und Bräuknecht.
Sommerkeller wurden grundsätzlich nach zwei Modellen betrieben: durch einen angestellten Schenk (wie Röhrl) oder durch einen selbstständigen Pächter. Der Schenk arbeitete im Auftrag des Eigentümers und erhielt eine prozentuale Vergütung pro ausgeschenktem Bier.
Röhrl erhält die Schenkwirtschaft an der Straße mit Saal, beiden Nebenzimmern, Küche mit Speise, der oberen und unteren Schenklokalität im Gartensalon nebst der Kegelbahn und dem Schenkgarten. Die Erträge der Bäume im Schenkgarten muss er sich jedoch mit dem Gärtner Peregrin Kohlbeck teilen.
Laut Vertrag hatte der Schenk „den Gästen mit Zuvorkommenheit und Freundlichkeit zu begegnen". Die finanziellen Konditionen:
Röhrl darf jedoch nur in den Monaten Mai bis Oktober ausschenken, da die Spitalstiftung für 1869 keine Ausschankkonzession beantragt hat. Zwar wird angekündigt, diese für das nächste Jahr zu beantragen – der Antrag lässt sich jedoch nie nachweisen. Da 1870 die Wirtschaftsgebäude zum großen Teil leer stehen, ist anzunehmen, dass Röhrl die Wirtschaft entweder nicht mehr betreibt oder nur noch den Sommerausschank nutzt.
Quelle: SpAR, Kasten I, Fach 40, Fasc. 6.
Das königliche Bezirksamt Stadtamhof verhandelt mit der Spitalstiftung über die geplante Errichtung einer Kleinkinderbewahranstalt (Waisenhaus). Das Bezirksamt möchte den Spitalkeller dafür nutzen, da dieser zur Verfügung stünde.
„Saal, 2 Zimmern, Küche nebst Speisekammer inklusive des Schenkgartens, jedoch mit Ausschluss des obern an der Kegelbahn befindlichen Schenkgebäudes und Saletchens.“
— aus den Verhandlungsunterlagen
Damit ist belegt, dass die Wirtschaft zu dieser Zeit ungenutzt ist und nur noch die Sommerschenke in Gebrauch – vermutlich der Grund, weshalb sich kein neuer Antrag für eine Ausschankkonzession finden lässt.
Quelle: SpAR, Kasten II, Fach 28, Fasc. 4.
Ein Inventar vom 19. Februar 1870 dokumentiert den Umfang des Gaststättenbetriebs im Spitalkeller. Auf Bestand sind insgesamt 204 Trinkgefäße:
Sämtliche steinernen Krüge waren „beschlagen" – also mit Zinndeckel ausgestattet, wie es der bayerischen Wirtshaustradition entspricht. Bei stärkerem Andrang im Biergarten konnten weitere Krüge oder Gläser direkt von der Brauerei angeliefert werden.
Als weitere Attraktion war im Spitalkeller bereits eine „Schießstatt“ eingerichtet – vermutlich im Bereich des Biergartens, denn die Wirtschaftsräume waren zu dieser Zeit größtenteils ungenutzt (siehe parallele Verhandlungen mit dem Bezirksamt 1869/70).
Die Verhandlungen über die Kleinkinderbewahranstalt wären zu einem Abschluss gekommen – jedoch bricht der deutsch-französische Krieg aus und das Bezirksamt sucht nach Unterbringungsmöglichkeiten für verwundete Soldaten. Von 1870 auf 1871 werden daher 30 verwundete Soldaten im Spitalkeller als Hilfslazarett untergebracht.
Quelle: SpAR, Kasten II, Fach 37, Fasc. 18.
Bereits seit 1870 gibt es Überlegungen, den Lagerkeller zu verlängern. Umgesetzt wird das Vorhaben erst 1881 – Grund ist der schlechte Zustand der anderen Lagermöglichkeiten der Stiftung.
Der Brauereibesitzer Danseher von Teugn lässt zur gleichen Zeit durch Maurer von Abbach unter dem Vorarbeiter Franz Xaver Apfel einen neuen Lagerkeller mittels Minierung erstellen. Am 7. Januar 1881 reisen Vertreter des Spitalrats zur Besichtigung nach Teugn:
Nach Überzeugung von Tüchtigkeit der Arbeiter und Solidität der Arbeit wird das Bauprojekt nach allen Seiten erwogen und geprüft.
Am 30. Juni 1881 fasst der Spitalrath den Beschluss zum Kellerbau. Baumeister Kroen wird mit der Anfertigung der Baupläne beauftragt; der Bau soll in eigener Regie erfolgen, die Arbeiten an die Abbacher Maurer unter ihrem Vorarbeiter Apfel übergeben werden.
Beginn am 27. Juli 1881. Um den alten Keller weiter für das Sudjahr 1881/82 nutzen zu können und keinen fremden Keller pachten zu müssen, bleibt dieser samt altem Eiskeller vorläufig intakt – geschützt durch eine ca. 3 m dicke Erdschicht. Erst hinter dem alten Keller beginnt die Aushebung eines 8 m langen, 8 m breiten und 10 m tiefen Schachtes.
Am 18. August 1881 wird die königliche Genehmigung beantragt, am 10. September 1881 erteilt – mit der Auflage, dass die Kosten von 27.000 Mark aus dem Stammvermögen ohne Refundierung bestritten werden dürfen.
Das Erdreich ist nicht festes gewachsenes Land oder kompaktes Gestein, sondern lose Erde mit gelblichem Sand, durchsetzt mit Findlingen. Das erschwert die Arbeit und erfordert größte Vorsicht (Arbeiter waren versichert). Wegen des beschränkten Raumes wird in zwei Schichten gearbeitet: eine Hälfte tagsüber, die andere bei Nacht mit künstlichem Licht.
Nach 18 Monaten Bauzeit ist der Keller fertig – „Gott sei Dank ohne Unfall“. In der Mitte ist der neue Eiskeller hergestellt. Das eigentliche Gewölbe misst nun rund 52,88 m, das gesamte unterirdische Anwesen mit Kellervorraum 65,63 m; nach den zeitgenössischen Aufzeichnungen wurde von etwa 73 Metern Gesamtlänge gesprochen.
Die königliche Regierung genehmigt weitere 5.000 bzw. 4.800 Mark aus dem Stammvermögen – Gesamtkosten 31.800 Mark. Damit werden zusätzlich finanziert:
Da der sehr nasse Herbst 1882 den außerhalb der Dachfläche befindlichen Teil des neuen Kellers stark tropfen lässt, beschließt der St. Katharinenspitalrath am 8. März 1883 ein Schutzdach: aus dem alten Holz der abgebrochenen Ziegelhütte, mit Theerpappe belegt.
Die Begriffe „Minierung“ und die nächtliche Schichtarbeit mit Licht könnten auf unterirdischen Stollenbau hindeuten. Der 8×8×10 m große Vor-Schacht sowie die später dokumentierte 16 m tiefe Baugrube auf der Nordseite belegen jedoch eindeutig: Der Kelleranbau wurde in offener Bauweise errichtet. Bei dem lockeren Material mit Findlingen wäre Stollenbau mit den damaligen technischen Mitteln ohnehin nicht möglich gewesen.
Quellen: Brandhuber, Josef: Sommerkeller in Steinweg · vgl. Lechner, Andreas / Zeitlhöfler, Kurt: „natürlich leichter und gesunder Trunk“ – Die Geschichte der Regensburger Spitalbrauerei von 1695 bis 1945, Regensburg 2008.
Mit Privatier Heitzer findet sich der erste Schenk seit Röhrl. Ab 1884 lässt sich die geschlossene Überlieferung der Schenke und Pächter bis 1916 nachzeichnen:
Ab 1916 übernimmt Emmeran Zeitler.
Das Einkommen eines Schenks war nicht besonders hoch – Josef Langmantel, der den Keller seit 1894 bewirtschaftet hatte, schenkte im Jahr 1908 nur noch 143 Hektoliter Bier aus. Er kündigte deshalb 1908 den Vertrag mit der bemerkenswerten Begründung:
„Weil man von der Schenkgebühr eine Familie nicht ernähren kann."
— Josef Langmantel, Kündigung 1908
Langmantel empfahl, den Keller künftig an einen Pächter zu verpachten, der ein „weiteres Einkommen" aus anderer Tätigkeit habe und somit nicht allein von der Schenkgebühr leben müsse. Damit endet praktisch die Ära des reinen Angestellten-Schenks am Spitalkeller.
Quellen: SpAR, Kasten I, Fach 40, Fasc. 9 · Brandhuber, Josef: Sommerkeller in Steinweg.
Am 5. Oktober 1893 erstellt Ernst Ruoff, Ingenieur und Director des Wasserwerks Regensburg, ein Gutachten zu den bautechnischen Mängeln des 1881–1883 erweiterten Lagerkellers:
„Die Untersuchungen […] haben die Vermutung bestätigt, dass es beim Bau und namentlich bei der Vergrößerung dieses Kellers im Jahre 1881 versäumt worden ist, die Baugrube, welche auf der Nordseite eine Tiefe von ca. 16 m hat, mit einer äußeren Drainage zu entwässern, sodass nun mehr die Widerlager der Gewölbe und namentlich die nördliche Stirnmauer vollständig mit Sickerwasser durchsetzt sind."
— Ernst Ruoff, Gutachten 5. Oktober 1893
Ruoff kritisiert auch die „übel angebrachte Ersparnis“, die Überdachung der nördlichen Kellerabteilung wegzulassen – ein Schutzdach hätte zumindest die Niederschläge oberirdisch ableiten können. Er empfiehlt, ein solches Dach nachträglich zu bauen.
Dieses zusätzliche Schutzdach wurde jedoch nie errichtet. Auf Grundlage der von Ruoff angefertigten Technischen Pläne von 1893 beginnen ein Jahr später (4. Oktober 1894) die eigentlichen Drainage-Bauarbeiten.
Ruoff plante 1893 zugleich einen Kanalanschluss zur Entwässerung des Spitalkellers. Solche Entwässerungseinrichtungen waren in den Steinweger Sommerkellern unverzichtbar – nicht nur wegen des Sickerwassers aus dem porösen Berg-Material, sondern auch wegen des Schmelzwassers, das regelmäßig durch die Eiseinlagerung im Tonnengewölbe anfiel. Mit Ausnahme dieses geplanten Kanalanschlusses sind über die Entwässerung in den Steinweger Kellern allerdings nur wenige Informationen überliefert.
Quellen: Brandhuber, Josef: Sommerkeller in Steinweg; Gutachten Ernst Ruoff vom 5. Oktober 1893.
Bereits seit 1869 lassen sich durch die Sitzungsprotokolle des Spitalrats die Eiseinlagerungen anhand der Menge nachvollziehen. Von 1893/94 bis 1900/01 finden sich darüber hinaus ausführliche Verträge mit den Dienstleistern, die den Lagerort des Eises genau beschreiben: den eigentlichen Eiskeller, die Räume unter den Lagerbierfässern und eine besondere Eiswand an der Kopfwand:
„Bei der Kopfwand des Kellers ist eine Eiswand aufzuführen in einer Dicke von 3 Metern, welche die ganze Breite und ungefähr drei Viertel der Höhe des Kellers ausfüllt. Die Freiseite dieser Eiswand ist aus großen Eisstücken herzustellen, und der Innenraum mit klein geschlagenem Eis zu füllen. Voll zu füllen ist auch der Eisraum in dem Schenkkeller.“
— aus den Eis-Verträgen 1893/94–1900/01
Der Platz der 3 Meter starken Eismauer an der Nordseite des Kellers ist heute noch durch die Beschaffenheit des Bodens sichtbar.
Das Eis selbst wurde aus dem Regen und der Donau gebrochen – für beide Flüsse liegen entsprechende Genehmigungen mit Ortsangabe vor.
Quelle: SpAR, Kasten I, Fach 38, Fasc. 11.
Am 20. Mai 1894 um 16 Uhr wird im Spitalkeller – „bei günstiger Witterung" – ein Volksstück aufgeführt: „Der große Treffer" oder „Regensburger Gigerl". Der Hinweis auf die Witterung deutet auf eine Aufführung im Freien hin – vermutlich im Biergarten.
Ein Gigerl war im bayerisch-österreichischen Sprachraum ein Stutzer oder Dandy – der Titel „Regensburger Gigerl" verspricht also regional gefärbte Volksbelustigung. Der niedrige Eintrittspreis und die kinderfreundliche Regelung zeigen den Spitalkeller als Ort der populären Wirtshausunterhaltung – weit entfernt vom Klischee des reinen Bierkellers.
Quelle: Brandhuber, Josef: Sommerkeller in Steinweg; Aufführungs-Anzeige Spitalkeller, 20. Mai 1894.
Bei den Baumaßnahmen zur Kellerverlängerung 1881–1883 wurde es unterlassen, die Baugrube durch eine äußere Drainage zu entwässern. In der Folge war vor allem die nördliche Stirnwand des Kellers vollständig mit Sickerwasser durchsetzt.
Der Plan zur Entwässerung sah einen Entwässerungskanal vor, der außerhalb der nördlichen Stirnwand beginnen und dort durch einen 16,5 m tiefen Schacht (bei Umsetzung 16,2 m) dem Erdreich die Feuchtigkeit entziehen sollte. Anschließend verläuft der Kanal ½ m unter der Kellersohle Richtung Süden, verlässt den Keller östlich und mündet in den Straßenkanal in der Nürnberger Straße.
Beginn der Baumaßnahmen am 4. Oktober 1894 nach den Technischen Plänen von 1893.
Quelle: SpAR, Kasten II, Fach 37, Fasc. 19.
Anfang 1895 lässt Spitalmeister Pongratz für 1.200 Mark einen Aufzug an der vorderen Stirnseite des Spitalkellers einbauen. Die Aufzugshöhe beträgt 2,52 Meter.
Der Aufzug ist das Endstück der innerbetrieblichen Transport-Logistik: Vom ihm aus führt die 1881/83 gebaute schmalspurige Rollbahn zu den bis zu 50 Meter entfernten Lagerplätzen im hinteren Kellerraum – so konnten die schweren Bierfässer ohne körperliche Schwerstarbeit zwischen den Etagen und durch den Keller bewegt werden.
Quellen: SpAR, Kasten II, Fach 37, Fasc. 19 · Brandhuber, Josef: Sommerkeller in Steinweg.
Umbaumaßnahmen und Errichtung eines Gastzimmers.
Quelle: SpAR, Kasten II, Fach 38, Fasc. 35.
Der milde Winter und das damit verbundene geringe Eis zur Einlagerung des Sommerbieres veranlassen die Spitalbrauerei, eine Kühlanlage zu erwerben. Im Sitzungsprotokoll wird auch der Verkauf der Fuhrwerkzeuge und Pferde als Vorteil aufgeführt.
Laut späterem Sitzungsprotokoll vom 12. Oktober 1938 waren die Eiskeller der Lagerkeller in der Spitalbrauerei seit 1927 ungenutzt. Damit ist anzunehmen, dass der Spitalkeller bereits 1927 seine Funktion als Sommerlagerkeller verloren hat – das Sommerbier wurde fortan in der Kühlanlage der Spitalbrauerei gelagert. Auch die Kellerbücher enden 1925/26. Damit endet auch die jahrhundertealte Tradition der Eisernte.
Quelle: SpAR Sitzungsprotokoll vom 19. Februar 1927.
Mit den Baumaßnahmen wird der gesamte Gebäudekomplex der heutigen Wirtschaft um- und neu gebaut. Dadurch wird der bisherige Kellerzugang im Spitalkellerweg geschlossen und der Hauptzugang zur Anlieferung der Bierfässer über das Hauptgebäude geleitet.
Beschluss vom 3. April 1936.
Quelle: SpAR, Kasten II, Fach 38, Fasc. 35.
Am 21. Januar 1939 musste die Stiftung das rückwärts gelegene Gartenhaus des Anwesens Nürnberger Straße 12 dem Reichsluftschutzbund (Landesgruppe XIII Nordbayern, Orts-Kreisgruppe Regensburg, Reviergruppe IVa) zur Verfügung stellen. Hier wird eine Luftschutz-Schule für Büro- und Ausbildungszwecke eingerichtet.
Der damalige Pächter Zeitler wird zum Militär eingezogen; eine weitere Verpachtung wird „durch die Partei“ verhindert. Am 12. April 1943 werden die 3 Gastwirtschaftsräume vom Militär für die Frühjahrsmusterung beschlagnahmt.
Anschließend wird das Gebäude bis 1945 von der Messerschmitt GmbH genutzt. Welche Unternehmensstellen genau einzogen und ob auch der Keller verwendet wurde, ist unklar. Die Ehefrau des vormaligen Pächters (Frau Zeitler) lebt jedoch weiterhin im Gebäude.
Quellen: SpAR, Kasten I, Fach 30, Fasc. 23 · SpAR, Kasten I, Fach 38, Fasc. 26 · SpAR, Kasten II, Fach 28, Fasc. 6a.
In den letzten Kriegsjahren des Zweiten Weltkriegs sollen die Sommerkeller in Steinweg der Bevölkerung als Luftschutz dienen. Fast alle Keller werden in irgendeiner Form als Luftschutzräume vorgesehen – sogar aus Stadtamhof kommt die Bevölkerung, um in den massiven, tiefen Kellern Schutz vor den alliierten Bomben zu suchen.
1944 wird ein Stollen zwischen dem Tonnengewölbe des Spitalkellers und dem benachbarten Sommerkeller Schildkeller II in ca. 7 Meter Tiefe in den Berg gesprengt. Der Abstand zwischen beiden Sommerkellern beträgt 15 Meter.
„Eine besondere Rolle spielte hier noch der Keller Nürnberger Straße 10 (Schildkeller II), in dem der Kreisleiter Weigert einen Unterstand eingerichtet hatte. Außerdem wurde versucht, von diesem Keller aus einen Stollen in den Dreifaltigkeitsberg zu treiben, der bis zum Schelmengraben und bis zum Weiglgrundstück in der Lappersdorfer Straße führen sollte.“
— Josef Brandhuber, Sommerkeller in Steinweg
Wie weit dieser zweite Stollen tatsächlich gediehen ist, ist nicht bekannt. Die Bodenverhältnisse am Dreifaltigkeitsberg eignen sich für einen Stollenbau wenig – unterschiedliche Bodenarten gemischt mit großen Findlingen, wie schon bei der Kellerverlängerung 1881–1883 festgestellt worden war.
Laut einem (heute nicht mehr auffindbaren) Zeitungsbericht ist um 1950 der Stollen nördlich des Gebäudes auf dem Keller (damals als Schreinerei genutzt) einige Meter tief wie ein Bombentrichter eingebrochen und musste von der Eigentümerin selbst wieder aufgefüllt werden – weder Staat noch Stadt fühlten sich zuständig. Anlieger erinnerten sich daraufhin, dass auch der Spitalkeller als Luftschutzraum hergerichtet werden sollte und Sprengungen bis unter den Spitalkellerweg vorgenommen wurden.
Im September 2023 wird der Stollen zwischen Spitalkeller und Schildkeller II bei Einbauarbeiten für die neue Beleuchtung im Tonnengewölbe des Spitalkellers wiederentdeckt.
Der Kreisleiter sollte bei Luftangriffen für die NSDAP Hilfsmaßnahmen organisieren: Verpflegung und Notquartiere bereitstellen, den Hausrat von Bombenopfern sicherstellen. Im Verlauf des Bombenkriegs wurde der Kreisleiter in den Großstädten zur zentralen Schaltstelle bei der Bekämpfung von Luftkriegsfolgen – er stellte Einsatzstäbe der Partei auf, die nach Luftangriffen beim Löschen mitwirkten. Auch „Gefallenenehrungsfeiern“ der NSDAP gehörten zu seinen Aufgaben. Ziel: die Bevölkerung zum Durchhalten zu bewegen.
Anmerkung: Der von Brandhuber zitierte Zeitungsartikel wurde bis heute nicht aufgefunden. Bekannt ist, dass die Messerschmitt-Werke zu diesem Zeitpunkt den Spitalkeller als Verwaltungsgebäude nutzten.
Quellen: Skizze des Luftschutz-Mineur-Stollens zwischen Spital- und Schildkeller (Längenschnitt 1:100), erhalten von Baurat Rubauer; bestätigt durch den Reichsluftschutzbund, Regensburg, 15. November 1944 · Josef Brandhuber, Sommerkeller in Steinweg.
Mit Erreichen der US-Army von Steinweg wird der Spitalkeller beschlagnahmt. Hier wird ein Offiziers-Casino eingerichtet.
Die Spitalstiftung bemüht sich lange um die Rückgabe, muss jedoch bis 1948 warten. Bei der Übernahme 1948 findet sich das Anwesen in derartig schlechtem Zustand wieder, dass die geplante Wiedererrichtung der Wirtschaft unmöglich ist.
Quelle: SpAR, Kasten II, Fach 28, Fasc. 6a.
Da eine erneute Nutzung als Wirtschaft unmöglich ist, vermietet die Spitalstiftung das Anwesen an die Stadt Regensburg. Diese richtet hier mehrere Behördenstellen ein:
Das Mietverhältnis besteht vom 11. September 1948 bis zum 1. April 1950. Erst mit Ende des Mietverhältnisses wird die Wirtschaft im Spitalkeller wiedereröffnet.
Quelle: StAR, ZR 3, 2329.
Wiedereröffnung der Wirtschaft – der Spitalkeller kehrt zu seiner Bestimmung als Gaststätte und Biergarten zurück.
Übersicht aller 22 Sommerkeller in Steinweg und Pfaffenstein. Der Spitalkeller (Nr. 11) ist heute vermutlich die einzige voll erhaltene Anlage Bayerns.
Wirtshaus Weigert · vorher Schwalbenwirtshaus
Bier- und Fleischkeller, Schankgebäude und Schenkgarten mit Felsen
Rabenkeller
Sommerkeller, Fassschupfen, Sommerhaus
Stadlerkeller
Es sind noch Mauerreste des Überbaus vorhanden. Zeichnung von Georg Bahre ohne Kamin – vermutlich ein Wirtschaftsgebäude.
Hiltlkeller
Christoph Straubinger, Bierbrauer aus Stadtamhof
Kleines Feld und Gartl, 1750 erbaut
Frommkeller (Pröllkeller)
Spitalkeller
Sie sind hier – die einzige voll erhaltene Sommerkelleranlage
Schildkeller II
Schildkeller
1760 im Lehen von Bierbrauer Anton Putz aus Stadtamhof mit Weinberg 5 Juchart (17.000 qm) Reichstift Niedermünster. Wegzollhaus Nürnberger Straße 2 (im Türstock ist die Jahreszahl 1754 eingeschlagen).
Häringkeller
1689 erbaut, 1970 abgebrochen
Länge 20 m, Breite 8 m, mit einem Schupfen überbaut. 1760 gehörte der Keller vermutlich dem Bierbrauer Stephan Pinkh aus Stadtamhof.
Auerkeller
Entdecken Sie den Spitalkeller bei einer Kellerfuehrung durch das 73 Meter lange Tonnengewölbe – inklusive Whiskyprobe.